Online Spiele: Über das Spiel, das keines ist

Ein Jugendlicher kauft sich ein magisches Schwert, um sich vor Feinden zu schützen. Er zahlt dafür fünf Euro.
Auch möchte er einen persönlichen Schicksalsschlag verhindern: Das geht, mithilfe des “Steins der Weisen”. Gegen weitere Gebühr, natürlich.
Wie man richtig vermutet hat, ist hier die Rede von virtuellen Welten. Was sich vor wenigen Jahrzehnten noch in Büchern und Köpfen Heranwachsender abspielte, ist heute sichtbar: auf dem Bildschirm. Und ganz ohne Zauber: Es sind Firmen, die gewinnorientiert handeln. Firmennamen sind etwa Bigpoint, Gameforge, Gamigo. Dienstleistungen sind Angebote an Computernutzer, sich online an Spielen zu beteiligen – Autorennen, die mittelalterliche Suche nach dem Gral oder die Rettung der Welt des 20. Jahrhunderts und vieles mehr können die “Spielfläche” bieten.

Die Unternehmen arbeiten gezielt mit einer bestimmten Eigenschaft ihrer Zielgruppe: Es gehört zu den Entwicklungsprozessen Heranwachsender, Fantasie und Kreativität entdecken zu wollen – darüber hinaus auch, vorhandene Konzepte weiterzuentwickeln. Wenn nun – als Kundenanwerbung – seitens der Betreiber ermöglicht wird, dass die Teilnahme an den Online-Spielen und denen spielerische Erstentdeckung kostenlos ist, dann scheint dies ein unerwartetes Geschenk für den einzelnen Jugendlichen. Aber früher oder später wird dem Spieler signalisiert, dass es da Spielerrechte gäbe, mit denen er es einfacher hätte. Diese Rechte kosten Geld und können in Echtzeit “freigeschaltet” werden – per Mehrwertnummer über das Mobiltelefon.

Jedenfalls ist es unerheblich, von welchem Handy aus welche Einzelanforderung bezahlt wird: Summieren sich dann auf der monatlichen Einzelabrechnung elterlicher Mobiltelefonverträge bis zu tausend Euro, ergibt sich der wahre Status des Jugendlichen: Nicht Spielfigur ist er, sondern jemand, der möglicherweise im Namen und zum Schaden eines Dritten rechtlich bindende Kaufverträge ohne Widerspruchsrecht abgeschlossen hat. Eltern dürfen sicherlich im Gespräch mit ihren Kindern immer wieder darauf eingehen, was es denn mit der wahren Fantasie auf sich habe. Und dem kostenlosen Spiel ohne Bildschirm.
http://www.welt.de/webwelt/article5971251/Neue-Online-Spiele-machen-Jugendliche-arm.html?print=yes#reqdrucken

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